3F STUDIO - Oliver Tessin

3F STUDIO - Oliver Tessin

Computational Design methods derived by nature for architectural design
Oliver Tessin - 3F STUDIO

Fassade aus dem 3D-Drucker: Das Münchner Start-up 3F Studio verleiht dem
Deutschen Museum ein weltweit einzigartiges Gesicht.
Autor: Markus Ostermaier
(München, 18.04.2019) Das Deutsche Museum in München zeigt bei dem größten Umbau in seiner Geschichte
architektonischen Innovationsgeist: Der temporäre Haupteingang am Isarufer soll mit einer lichtdurchlässigen
Fassade aus dem 3D-Drucker umhüllt werden. Entwickelt hat diese zukunftsweisende Anwendung das
Münchner Start-up 3F Studio.
? Der temporäre Haupteingang des Deutschen Museums soll eine 3D-gedruckte Fassade erhalten.
? Die multifunktionale Fassade aus dem Kunststoff PETg kann in mehreren (Lebens-)Zyklen zu 100% für
Fassaden wiederverwendet werden.
? Verantwortlich für Entwicklung und Planung dieser weltweit ersten, recycelbaren Fassade aus dem 3DDrucker
ist 3F Studio.
? Das Projekt wird unterstützt sowie die Umsetzung geplant mit der 3D-Druck Technologie von BigRep.
? Das Eingangsgebäude - hinter der 3D-Druck-Fassade - wird geplant von Architekten Schmidt-
Schicketanz und Partner GmbH (SSP) und David Wolfertstetter Architektur (DWA).
Das 2018 gegründete Start-up 3F Studio hat für die Umhüllung des temporären Haupteingangs des Deutschen
Museums die weltweit erste 3D-gedruckte Fassade aus komplett recycelbarem Kunststoff (PETg) entworfen.
Die Gründer Moritz Mungenast, Oliver Tessin und Luc Morroni haben bereits bei dem Projekt „Fluid
Morphology“, das an der Architekturfakultät der Technischen Universität München (TUM) und der dortigen
Professur für Entwerfen und Gebäudehülle durchgeführt wurde, zusammengearbeitet und Forschungsarbeit
für Fassadensysteme geleistet - wodurch das Deutsche Museum auf sie aufmerksam geworden ist. Der nächste
logische Schritt war für das Team die Unternehmensgründung und die Weiterentwicklung des Systems, sodass
am Ende eine multifunktionale Fassadenanwendung entstand, die aufgrund der innovativen Fertigungstechnik
eine Vielzahl von positiven Eigenschaften in sich vereint. „Durch 3D-Druck wird es möglich, viele Funktionen
direkt in die Fassadenelemente zu integrieren. Außerdem können wir so Planungs- und Produktionsfehler
reduzieren und einen geschlossenen Materialkreislauf etablieren“, erklärt Moritz Mungenast.
Dieses Leuchtturmprojekt am Deutschen Museum, dem größten Wissenschafts- und Technikmuseum der Welt,
bietet optimale Voraussetzungen, um die Stärken der innovativen Fassadenanwendung einem breiten
Publikum zu demonstrieren. Die wellenartige Oberfläche der Fassade ist nämlich nicht einfach nur reine
Gestaltung, sondern ein wesentlich funktionaler Bestandteil. „Architekten haben schon immer neuste
Technologien verwendet und Formfindungsprozesse der Natur adaptiert. Bei diesen neuen, transluzenten
Fassadenelementen können wir durch Additive Fertigung und Computational Design weiche, wellenartige
Faltungen generieren, um eine maßgeschneiderte Verschattung und Akustik für die Museumsbesucher zu
erreichen“, erläutert Oliver Tessin.
Im Sommer schützt die Fassade vor Hitze und im Winter lässt sie möglichst viel natürliches Licht ins Gebäude.
Auch weitere essenzielle Funktionen wie Wärmedämmung und natürliche Belüftung können ohne
kostenintensive Systemtechnik integriert werden: vertikal verlaufende, geschlossene Luftkanäle verleihen
Stabilität und dämmen das Gebäude. Ein einzelnes Fassadenelement misst ca. 1x1 m und erzeugt durch sein
transluzentes, reflektierendes Material eine einzigartige Ästhetik, die das Museumsgebäude weithin zu einem
Blickfang macht. Doch auch aus unmittelbarer Nähe betrachtet vermag die Fassadengestaltung zu faszinieren.
Die Makrostruktur der Welle integriert auf ihrer Oberfläche eine weitere Mikrofaltung, welche die akustischen
Eigenschaften der Hülle verbessert, da sie Schallreflektionen diffus streut. Alles in nur einem Bauteil, das ganz
individuell und komplett in einem Stück gefertigt wird. „Form und Funktion werden in einer Einheit fusioniert“,
fasst Oliver Tessin zusammen und fügt hinzu: „Die Qualität, die dadurch entsteht, ist vor allen Dingen in ihrer
konsequenten Beziehung von Formation und Materialisierung zu sehen.“
Die Dimension der Fassadenfläche von 750 m² ist eine Herausforderung, deren Bewältigung erst durch speziell
entwickelte digitale Werkzeuge möglich ist. Das Projekt demonstriert erstmalig eine industrielle Anwendung
Pressemitteilung, 18.04.2019
der 3D-Druck-Technologie Fused Deposition Modeling (FDM) im Gebäudemaßstab. „Durch die Integration der
Produktionsparameter im Entwurfsprozess können die Funktionen und konstruktiven Details in
Wechselwirkung mit der Formfindung entwickelt und die Produktionszeit sowie der Materialverbrauch
reduziert werden“, ergänzt Luc Morroni.
Der erste Prototyp eines solchen Fassadenelements misst 280 cm x 160 cm mit einer Dicke von 6 cm und wird
seit Frühjahr 2018 auf der Solarstation auf dem Dach der TU München mittels genauer Sensormessungen auf
seine Tauglichkeit geprüft. Die gesammelten Daten zeigen, dass das Konzept funktioniert, und ermöglichen
die weitere Optimierung des Fassadensystems.
3F Studio plant erste Anwendungen dieser Fassadenverkleidung in Kulturbauten wie beispielsweise Museen,
Bibliotheken und Konzerthallen sowie in der Innenarchitektur, z.B. in Messen, Foyers und Konferenzräumen.
Für zukünftige Projekte strebt das Unternehmen auch eine Erweiterung der Materialpalette an, hin zu
Polycarbonat und nachhaltigeren Bio-Kunststoffen.
Über 3F Studio
3F Studio steht für Fused Form and Function und wurde 2018 von Moritz Mungenast, Oliver Tessin und Luc
Morroni gegründet. Das Studio ist auf 3D-gedruckte zukunftsorientierte Gestaltung und performative
Architektur spezialisiert.
3F Studio ist eine Ausgründung des Projektes „Fluid Morphology“ der TU München, Fakultät für Architektur,
und bietet seine Expertise in Computational Design und Additiver Fertigung (3D-Druck) für die Entwicklung
von funktionsintegrierten Fassadenanwendungen und neuartigen Konzepten für Innenarchitektur und
Möbeldesign an. Dies beinhaltet den Einsatz von neuen, wiederverwertbaren Materialien, um nachhaltige
Lösungen für die zukünftigen Herausforderungen im Bauwesen zu schaffen.
3F Studio glaubt an die performativen und ästhetischen Qualitäten von innovativen Technologien wie Additiver
Fertigung, um neuartige Anwendungen mit einer unverwechselbaren Formensprache zu entwickeln.
Projektinformationen
? Standort: Museumsinsel 1, Corneliusbrücke, Westseite des Zentrums Neue Technologien
? Bauherr: Deutsches Museum, München
? Entwurf und Planung 3D-Druck-Fassade: 3F Studio GbR
? Entwurf und Planung Eingangsgebäude: Architekten Schmidt-Schicketanz und Partner GmbH (SSP) und
David Wolfertstetter Architektur (DWA)
? Material: komplett recycelbarer Kunststoff PETg
? Besucheranzahl: 1,5 Millionen Besucher pro Jahr
? Nutzungsdauer: maximal 15 Jahre (geplant 4,5 Jahre)
? Fassadenabmessung: ca. 45 Meter Länge, 15 Meter Höhe
? Elementgewicht: 10 bis 15 Kilogramm
? Konstruktion Eingangsgebäude: Kombination Stahlbau/Massivbau
? Einstimmige Genehmigung der Münchner Stadtgestaltungskommission am 22. Januar 2018.
? Visualisierungen: nuur.nu
? Das Projekt wird in seiner aktuellen Entwicklung unterstützt durch BigRep, Extrudr und Dow Corning.
Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:
Oliver Tessin
3F Studio – Innovative 3D-Printed Architecture
Mail tessin@3fstudio.de
Phone +49 (0) 89 209 33 013

 

Forschung trifft Kunst: Die Pfarrkirche St. Laurentius erstrahlt durch eine
neuartige Retabel-Skulptur in ganz neuem Licht.
Autor: Markus Ostermair
Durch die Zusammenarbeit von Studio Tessin und dem Künstlerduo Empfangshalle ist im Chorraum der
Pfarrkirche St. Laurentius ein einzigartiges Werk entstanden: 3D-Druck lässt eine faszinierende Retabel-Skulptur
förmlich in den Himmel wachsen.
? Die Pfarrkirche St. Laurentius in Altmühldorf erhält für ihren Chorraum eine 3D-gedruckte Skulptur und
wird am 05.05.2019 von Kardinal Marx eingeweiht.
? Verantwortlich für die Entwicklung des zellularartigen Gitterstrukturkonzepts und die Entwurfs- sowie
Ausführungsplanung des Retabels ist Studio Tessin.
? Das Retabel ist der Hauptbestandteil des künstlerischen Gesamtkonzeptes von Empfangshalle.
? Die 8 m hohe Skulptur wurde mit Bruno Knychalla von FIT AG gefertigt.
? Das Projekt wurde vom Ausstellungshaus für christliche Kunst e.V. und der FIT AG in beachtlichem
Umfang finanziell unterstützt.
Im Rahmen der umfassenden Renovierung der Pfarrkirche in Altmühldorf wurde, veranlasst durch die Pfarrei St.
Laurentius mit dem Erzbischöflichen Ordinariat, als Hauptbestandteil ihrer künstlerisch-liturgischen
Neukonzeption eine mit 8 m Höhe imposante und gleichzeitig filigrane Gitterskulptur als optischer Abschluss
für den Chorraum geschaffen. Die einzigartige Formgebung und golden reflektierende Erscheinung dieses
gestalterischen Glanzlichts prägen den gesamten Kirchenraum, sodass dort gotische Architektur und neuartige
Ästhetik eine harmonische Verbindung eingehen.
Das Konzept der Retabel-Skulptur entstand in der Zusammenarbeit von Oliver Tessin und dem Künstlerduo
Empfangshalle (Corbinian Böhm und Michael Gruber), in der sich sein forschender Ansatz und ihre
künstlerische Idee auf natürliche Art ergänzen. Letztere fußt auf der Erkenntnis, dass die Kirchen, als Träger des
kulturellen Erbes, über Jahrhunderte hinweg die neuesten Technologien in der Baukunst aufgegriffen und
gefördert haben. In diesem Sinne sollte etwas hinzugefügt werden, das unserer heutigen Zeit entspricht und
für Neuanfang und Aufbruch steht. Empfangshalle entwickelte daraufhin die Vorstellung von einer
halbtransparenten, in Gold erstrahlenden Skulptur, deren Form und Höhe sich möglichst natürlich in das
Chorgewölbe integrieren lassen sollten.
Der architektonische Ansatz hinter der Skulptur stützt sich durch den fundierten Einsatz neuester Technologien
auf Formfindungsprozesse aus der Natur, was zur Pfarrkirche einen ganz besonderen Bezug schafft. Denn
schon in der Gotik war die Orientierung an den Konstruktionsprinzipien der Natur die philosophische
Grundlage der Architektur – die bestehenden Spitzbögen und Rippengewölbe sind z.B. daraus abgeleitet.
Aufgrund computerbasierter Formfindung und der hohen Auflösung der Additiven Fertigung (3D-Druck) ist es
heutigen Architekten jedoch möglich, wesentlich komplexere Tragstrukturen zu konzipieren und den
zugrundeliegenden Ansatz der Gotik weiterzuentwickeln.
Die zellularartige Gitterstruktur adaptiert das aus der Natur abgeleitete Grundprinzip der optimalen
Gewichtsverteilung bei materialminimierender Strukturerzeugung. Wie der Aufbau von Knochenstruktur, so ist
auch die Retabel-Skulptur dort weniger dicht, wo die Gewichtsbelastung geringer ist, sodass sie ihre
wesenseigenen, statischen Gesetzmäßigkeiten in ihrer gitterartigen Struktur selbst offenbart. Nach dem Ansatz
von Oliver Tessin werden visuelle und konstruktive Ästhetik in der weltweit ersten Skulptur dieser Art
untrennbar zu einer Einheit verbunden, in der sich computerbasierte Formfindung und Fertigungstechnik
wechselseitig bedingen.
Mit der Firma FIT AG aus Lupburg konnte ein führender Experte in der Additiven Fertigung (3D-Druck) für das
Projekt gewonnen werden, deren Aufgabe, unter Leitung von Bruno Knychalla, die technische Entwicklung und
Pressemitteilung, 29.04.2019
Herstellung der Skulptur war. In Absprache konnte so eine zukunftsweisende Technologiekombination
individuell entwickelt und realisiert werden: Das Retabel besteht aus 60 individuell geformten Einzelteilen, die
aus weißem Polyamid-Kunststoff gedruckt und zusammengefügt wurden. Diese wurden mittels eines
thermischen Spritzverfahrens mit einer Bronze-Aluminium-Legierung beschichtet, woraus eine hohe Stabilität
resultiert. Abschließend wurde eine metallische Lackierung aufgetragen, sodass die golden schimmernde
Oberfläche entstand.
Aus der Verbindung von Forschung, Kunst und neuesten Fertigungstechnologien ist ein wegweisendes Werk
erwachsen, das den zukunftsorientierten Geist der Pfarrgemeinde reflektiert und so einen einzigartigen
Mehrwert für die Pfarrkirche St. Laurentius schafft.
Das gleichermaßen aufwendige wie innovative Konzept konnte nur durch die beachtliche finanzielle
Unterstützung des Vereins Ausstellungshaus für christliche Kunst e.V. sowie das großzügige Entgegenkommen
der FIT AG realisiert werden.
Über Studio Tessin
Studio Tessin ist ein forschungsorientiertes Studio an der Schnittstelle von Architektur, Ingenieurwesen und Kunst.
Das Interesse des Inhabers Oliver Tessin gilt besonders der Entwicklung und Umsetzung komplexer Strukturkonzepte
mittels Computational Design und Additiver Fertigung. Eine genaue Beschreibung und Bildmaterial finden Sie auf
www.studiotessin.com.
Projektinformationen:
Standort Pfarrkirche St. Laurentius, Altmühldorf
Gesamtabmessungen Retabel 8 m x 2.52 m x 54 cm (Höhe x Breite x Tiefe)
Segmentgröße 68 x 55 x 38 cm (Länge x Höhe x Tiefe)
Material Polyamid, thermisch beschichtet mit einer Bronze-
Aluminium Legierung
Gesamtgewicht 350 kg
Verantwortliche Personen – Körperschaften – Firmen:
Bauherr Pfarrei St. Laurentius Altmühldorf,
Wirtsgasse 29, 84453 Mühldorf
Stadtkirche Mühldorf,
Kirchenplatz 20, 84453 Mühldorf
Pfarrer Roland Haimerl G.R.
PR Claudia Stadler
Kirchenpfleger Arnold Hein, Thomas Bumberger
Förderverein St. Laurentius Altmühldorf Vorsitzender Hans Salfer
Erzbischöfliches Ordinariat
Ressort Bauwesen und Kunst
ODin Susanne Birk
Hauptabteilung Bau Dipl.-Ing. (FH) Hanns-Martin Römisch,
Diözesanbaumeister

Zurück zur Übersicht